Zur Situation in der Varroaforschung
Übersicht
Die Varroamilbe lebt seit ihrer Einschleppung 1984 in den Bienenvölkern in der Schweiz. Aufgrund der schlechten Anpassung von Wirt und Parasit sterben die Bienenvölker unter der
Last des Parasiten und seiner Begleitinfektionen ab.
Die Imkerschaft wehrt sich dagegen mit dem mehrmaligen Abtöten möglichst vieler Milben im Bienenvolk. In Bezug auf diese Abtötungsstrategie sind verschiedene Fortschritte erreicht
worden. Dazu gehört die integrierte Varroabekämpfung mit den Pfeilern Diagnose, begleitende Massnahmen und Abtöten mit rückstandsfreien organischen Säuren, ein Konzept das vom Zentrum für
Bienenforschung in Bern Liebefeld erarbeitet wurde (Imdorf A. et al. 2003). Dieses integrierte Konzept vermag vorerst die imkerlichen Bedürfnisse abzudecken auch die des biologisch geführten
Imkereibetriebes.
Die Situation ist jedoch in verschiedener Hinsicht schwierig. Eine Hauptlast tragen die Bienen, welche die dreimalige Säuredusche lediglich aufgrund ihrer mehrfach grösseren
Körpermasse besser Überleben als der Parasit. Für die Imkerschaft ist die Varroabeobachtung und -behandlung arbeitsintensiv und der Umgang mit Säuren birgt Risiken. Die Varroatose ist seit 20
Jahren das dominierende Thema in Bildung und Beratung, dennoch gehen alljährlich viele Völker zugrunde wegen ungenügender oder verspäteter Varroabehandlung. Diese Situation ist belastend für die
Imkerei, sie verstärkt den Schwund an Imkern, der jedoch in erster Linie mit der Überalterung der Imkerschaft zusammenhängt. Aufgrund der abnehmenden Völkerzahlen gibt es Gebiete in denen eine
optimale Bestäubung nicht mehr gesichert ist. Eine Verbesserung der Situation rund um die Varroamilbe könnte mittelfristig die Imkerei neu beleben.
In Forschung und Praxis herrscht Einigkeit in der Meinung, dass längerfristig eine Koexistenz von Milbe und Biene anzustreben ist. In der Literatur wird verbreitet die Meinung
geäussert, dass dies nur über eine züchterische Selektion möglich ist. Bei diesem züchterischen Ansatz werden verschiedene Wege verfolgt.
Varroatoleranz
Ein stabiles Verhältnis von Parasit und Wirt gibt es bei Varroamilbe und Bienen verschiedenen Orts. Allen voran ist die Apis cerana im Ursprungsgebiet der Varroamilbe zu nennen (Rath
W. 1999). Aber auch bei der Apis mellifera, zu der die mitteleuropäische Biene gehört gibt es Varroatoleranz. Sie wurde von Ritter in Tunesien beschrieben (Ritter W. 1997) und in Südamerika unter
verschiedenen klimatischen Bedingungen in Brasilien und Uruguay untersucht (Rosenkranz P. e.a.99). In allen diesen Beschreibungen wird ein wichtiger Toleranzfaktor genannt: Die Milben können
sich auf der Arbeiterinnenbrut nicht oder nur beschränkt vermehren, die Vermehrung findet auf der Drohnenbrut statt. Als Nebenfaktoren werden genannt: Das Putz- und Ausräumverhalten der Bienen, eine
verminderte Attraktivität der Brut sowie das Einschliessen von stark befallener Drohnenbrut bei der Apis cerana.
Die Toleranzen in verschiedenen Ländern können jedoch nicht ohne Weiteres miteinander verglichen werden, weil die Varroamilbe nicht überall die gleiche ist. Dies ist erst seit
dem Jahr 2000 bekannt, als Anderson seine Untersuchungen über die verschieden virulenten Varroatypen veröffentlichte (Anderson D.L. 2000).
Überlebensversuche
Die Frage ist nun, wie man zu neuen Erkenntnissen kommen kann im Bezug auf die angestrebte Koexistenz. Bei Forschungen in Teilbereichen bleibt der Bezug zum Lebensgeschehen immer
fragwürdig. Deshalb müssen Fortschritte in Zukunft an der Realität gemessen werden: an der Frage von Tod und Leben. Es wäre wichtig, die Gesetzmässigkeiten an dieser Schwelle zu erforschen. Die dazu
nötige Grundlagenforschung und Methodik wurde in den letzten 20 Jahren erarbeitet.
Im Jahr 2003 sind zwei Arbeiten im Bereich der Überlebensforschung veröffentlicht worden:
Im Rahmen des europäischen Zuchtprojektes werden Bienenvölker mit vielversprechenden Herkünften auf der kroatischen Insel Unije auf ihre Überlebensfähigkeit getestet. (Büchler R. et
al. 2003).
Auf der schwedischen Insel Gotland wurde Überlebensfähigkeit von Schwärmen, abgeschwärmten Völkern und nicht schwärmenden Völkern miteinander verglichen. Bei der Überwachung der
Varroapopulationen zeigte sich, dass letztlich keine der genannten Gruppen deutlich geringere Milbenpopulationen hatte. Die Varroaverminderung durch den Schwarmakt waren schneller als erwartet wieder
ausgeglichen (Fries I. et al. 2003).
In einem eigenen Versuch wurde das Überleben von Bienenvölkern im Naturwabenbau ohne Varroabehandlung untersucht. Ein Volk (Volk 75) hat während 6 Jahren in Einzelaufstellung
überlebt wie im Ausgangspunkt beschrieben.
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