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jungvolkbildung aus
dem Schwarmtrieb

Anleitung zum Naturbau

Ziele

Eine Grundidee des biologischen Landbaues ist es, dass der einzelne Organismus gestärkt wird. Das gilt für die Pflege der Nutzpflanzen wie für die Tierhaltung. Ein gestärkter Organismus soll in sich stabiler sein und eine erhöhte Abwehrbereitschaft gegenüber verschiedensten Erregen und Schädlingen bieten. Dieser Gedanke wird auch auf den zusammengesetzten Organismus des Bienenvolkes übertragen. Die Vorgabe von Mittelwänden wird auf den Bauansatz beschränkt, damit das Bienenvolk seinen Wabenbau aus dem körpereigenen Wachs bauen kann. Dadurch entsteht auch eine bieneneigene Wabenbauarchitektur. Das Bienenvolk verteilt seinen Drohnenbau um das Brutnest der Arbeiterinnen, unten, seitlich und fluglochfern. Die Konzentration des Drohnenbaues auf eine einzelne Bauwabe entspricht nicht seinem natürlichen Bauverhalten.

Voraussetzung.

Bienenvolk: Naturbau kann mit jeder Bienenrasse errichtet werden und in jedem Kastensystem. Dieser Bautrieb sitzt auch so tief im Bienenwesen, dass er nicht verloren gehen kann.
Der Schwarm eignet sich immer um mit einem Naturbauansatz zu beginnen.
Es entsteht der schönste Naturbauansatz, wenn die Völker eine junge Königin haben. Der Ansatz zu einer neuen Lebensphase wird mit einem Wabenneubau markiert.
Jungvölkern aus Ablegern oder Kunstschwärmen eignen sich für den Aufbau eines Naturbauvolkes. So können beispielsweise Ableger mit einer eigenen Königin grad nach der ersten Eilage der Königin auf Rähmchen mit Leitstreifen abgewischt werden. Es ist auch möglich eine Wabe des Ablegers zu belassen und ihm Leerrahmen zuzuhängen. Kunstschwärme oder vorweggenommene Vorschwärme bauen ebenfalls einen schönen Naturbauansatz.
Ungeeignet ist der laufende Wechsel von bestehenden Völkern auf Naturbau. Es entstehen nur Drohnenbauwaben. Wenn Völker umgestellt werden, dann nur über eine totale Wabenbauerneuerung.

Wabenrahmen: Je nach der Breite des Wabenrahmens ist für die künftige Handhabung von Waben und Rahmen eine Stabilisierung nötig. Bei der Wabenbreite des Schweizerkastens,(ca. 30 cm) werden die Waben bald seitlich stabilisiert indem sie an den Wabenschenkelen angebaut werden, bei Magazinbreiten von über 35 bis 40 cm ist ein Drahtung empfehlenswert um einem Wabenbruch vorzubeugen.
Als Vorbereitung der Rahmen wird ein Wachsstreifen oder Dreieck angelötet, es ist wichtig, dass diese gut mit flüssigem Wachs fixiert wird, denn die Bienen hängen mit einigem Gewicht dran. Alternativ kann eine bewachste Holzleiste oder ein dreieckiger Oberträger eingebaut werden. Diese Hilfestellungen erleichtern es den Bienen den Bauansatz in der Mitte des Rahmens zu errichten.

Aufbau des Wabenwerks

Einlogieren: Der Neubauansatz mit einem Schwarm oder Kunstschwarm ist derselbe wie bei dem klassischen Einschlagen des Schwarmes. Die normale Regel, „ Pro Pfund ein Rahmen +1“ muss jedoch um den Faktor 1,5 erweitert werden. Die Naturbauvölker bauen gerne auf vielen Rahmen, sie können nicht rasch in die Tiefe bauen.
Wenn Jungvölker vom Ablegerkasten in die Normalbeute umlogiert werden, ist es sinnvoll, umlogieren und Totalneubau in zwei Arbeitsgängen zu machen. Nach einem Tag in der neuen Behausung kann das Volk das Flugloch kontrollieren. Dann wird abgewischt.

Baukontrolle: Fünf Tage nach dem Neubauansatz ist eine Baukontrolle zu empfehlen.
Ist der Bau schön in den Rähmchen? Können sie das Futter halten oder besteht Räubereitendenz. Legt die Königin Eier? Wenn der Ansatz überhaupt nicht geklappt hat mit einem Fehlbau, dann kann nochmals neu angesetzt werde.

Jungvolkpflege

Kleine Jungvölker oder kleine Schwärme müssen regelmässig gefüttert werden, damit sie möglichst viel Wabenbau im Aufbaujahr errichten. Damit wird auch die Volksentwicklung in Schwung gehalten. Empfehlenswert ist es, alle 10 Tage zu füttern. Bei kleinen Aufbauvölkern sind es vorerst 2 Liter, im August können es auch 5 Liter pro Gabe sein. Die Futterabnahme löst den Baubedarf aus. Es sind auch weitere Baukontrollen nötig. Naturbau heisst auch am Wabenbau zu plastizieren. Über einer kleinen Korrektur mit dem Stockmeissel kann der Wabenbau in die Rähmchenmitte gerückt werden.

Mögliche Probleme

Ein Überbau durch eine starke Futtereinlagerung kann bewirken, dass die nachfolgende Wabe an den übernächsten Rahmen angebaut wird. Solche Brücken können einfach korrigiert werden wenn sie rechtzeitig erkannt werden.

Wabenbruch entsteht bei starker Fütterung und Hitze. Auch eine Erschütterung beim Transport oder die Handhabung einer angerissenen Wabe kann dazu führen. Korrektur bei einem Bruch im Volk: Nichts machen, auslecken lassen und erst im Herbst Winter oder folgenden Frühling trocken entfernen.

Betriebsweise

Der Wabenwechsel bei Naturbauwabenerfolgt nicht nach und nach. Wenn ein Volk einen über dreijährigen Wabenbau hat, dann lohnt es sich den Wabenbau komplett zu erneuern. Dazu werden alle Waben entnommen und durch Neubaurahmen ersetzt. Die Fütterung ermöglicht den Aufbau. Diese Bauerneuerung ist zwischen Mai und August möglich. Die Brut die entnommen wurden kann zum Schlüpfen der Bienen abseits aufgestellt werden, die frischen Bienen können dem Volk zurückgegeben werden bevor die nachgezogene Königin schlüpft.

Häufige Fragen

Wie stark werden Naturbauvölker?

Naturbauvölker haben die gleichen Volksgrössen wie Mittelwandvölker, auch beim Aufbau von kleinen Völkern gibt es keinen Unterschied im Bezug auf Bienen und Brutmenge.

Es entstehen Unmengen von Drohnen.

Es entsteht mehr Drohnenbrut und mehr Drohnen. Das liegt in der Natur des Bienenvolkes. Die Drohnen sind ein Teil des Volksganzen.

Haben Naturbauvölker weniger Honigertrag?

Im Schnitt von den Versuchen war kein Unterschied festzustellen.

Ist ein Volksaufbau auf Naturbau einfach?

Für jemanden der imkerlich geübt ist, ist es einfach und dennoch eine Herausforderung. Für Anfänger ist es eine zusätzliche Schwierigkeit.

Dornach, 20. Juni 2009

Download Anleitung zum Naturbau (PDF 81 KB)

© Martin Dettli - www.summ-summ.ch