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Die Frage nach der ökologischen Bienen- zucht

Bienensterben - Bienenleben

Der Bienenbaum von Angenstein

Zum Gedenken an Hans Wille

Biene - Mensch

Zuwendung zum Bienenvolk

Martin Dettli, Gempenring 122, 4143 Dornach

Die 8. Impuls- und Arbeitstagung der AGNI in Frick stand unter dem Thema der Mensch- Tier Beziehung unter dem Tagungstitel : „Mit den Bienen im Gespräch“ Im Vortrag "Zuwendung zum Bienenvolk“ wurde das Verhältnis zwischen Mensch und Bienenvolk untersucht. In dieser schriftlichen Fassung leiten die einzelnen Ebenen der Zuwendung ein, dann wird nach den Anliegen des Bienenvolkes, aber auch nach den Bedürfnissen der Imkerschaft gefragt. Diese Überlegungen sollen Anregung bieten für Imkerinnen und Imker, die gerne über ihre Beziehung zum Bienenvolk nachdenken.

Die Zuwendung zum Bienenvolk umfasst grundsätzlich die Freude, das Interesse und die Leidenschaft an unseren Bienenvölkern. Wenn wir diese Zuwendung genauer anschauen, dann sehen wir die verschiedensten Tätigkeiten, die zu unserem Umgang mit den Bienen gehören. Im weitesten Sinne ist dies die gedankliche Zuwendung, wenn wir im Alltag an unsere Völker denken. Sorgen zum Futtervorrat oder die Freude über das wunderbare Trachtwetter zeigen, dass auch Gefühle mit im Spiel sind. Wir können unsere Gefühle und Gedanken den Bienen zuwenden ohne auch nur den Bienenstand in der Nähe zu haben.

Flugloch (Eingang zum Bienenhaus)
Das Flugloch ist das Tor zwischen dem Innenleben und dem Aussenleben des Bienenvolkes, das Bienenvolk zeigt hier seine Befindlichkeit.

 

Wenn wir jedoch wirklich zum Bienenhaus oder an den Bienenstand gehen, dann sind wir da, mit unseren Sinnen, mit unseren Gedanken, mit unseren Gefühlen und auch den Händen um bei Bedarf zupacken zu können.

Wir haben als Mensch die Fähigkeit das Bienenvolk auf verschiedenen Ebenen zu erleben:

  • Mit den Sinnen
  • In den Gedanken
  • Im Empfinden
  • Mit den Händen.

Diese Elemente der Zuwendung können wir ganz verschieden gewichten. Das sinnliche Erlebnis beginnt, wenn wir uns dem Stand nähern. Wir hören das Summen der an und abfliegenden Bienen, wir beobachten den farbigen Polleneintrag und je nach Saison riechen wir die schwere Süsse des frisch eingetragenen Honigs.

Wenn etwas anders ist als es den Erwartungen entspricht, dann fragen wir uns sofort: Was ist anders, und warum? . Wir versuchen die Situation durch Gedanken zu ergründen, dabei greifen wir auf unser Wissen über die Bienen zurück und wir nutzten unsere bisherigen Erfahrungen. Wenn wir viel über die Bienen wissen und eine reiche Erfahrung mitbringen erlaubt uns dies schon kleine Abweichungen von der Norm zu erkennen, lange bevor wir Rauch machen. Die Empfindungsebene muss nicht nur die Sorgen und die Freuden der Imkersleute widerspiegeln, sie erlaubt auch ein Einfühlen in die Bedürfnisse des Bienenvolkes. Dies nennen wir die intuitive Ebene, sie läuft oft unbewusst oder halbbewusst mit. Die Ebenen durch dringen sich auch: Wenn ich beispielsweise ein Bienenvolk vor mir habe bei dem ich merke hier stimmt etwas nicht, dann kann dieser Eindruck sowohl aus der sinnlichen Aufmerksamkeit, aus dem Vergleich der Erfahrung wie auch aus dem „Gspüri“ herauskommen. So einfach sind diese Ebenen nicht zu trennen. Aber es ist klar, dann muss ich tätig werden, ich muss das Volk öffnen um zu überprüfen, ob der Eindruck stimmt.

Es gibt aber auch die Methode die Völker nach einem Schema abzuklopfen und einfach alle aufzumachen und mit den routinemässigen Handgriffen zu überprüfen. Was wird denn vom Bienenvolk als Arbeitsmethode bevorzugt?

Aus der Sicht des Bienenvolkes

Anders gefragt: Wie erlebt denn das Bienenvolk die imkerliche Aktivität? Dazu gibt es Überlegungen und Beobachtungen.

So hat beispielsweise der Amerikaner Thomas Sealey heraus gefunden, was freifliegende Schwärme veranlasst sich in einer selbstgewählten Behausung niederzulassen (Tabelle 1).

Eigenschaft

Wahl

Funktion

Höhe des Fluglochs über dem Boden

über 2 Meter

Verteidigung

Öffnung des Fluglochs

Und 50 Quadratzentimeter

Steuerung des Innenklimas

Verteidigung

Position des Fluglochs

Am Boden des Hohlraumes

Steuerung des Innenklimas

Richtung des Flugloches

Nach Süden

Steuerung des Innenklimas

Rauminhalt der Behausung

Zwischen 10 und 100 Lt.

Speicherung des Honigs, Steuerung
des Innenklimas

Waben

Vorhanden

Wirtschaftlichkeit des Neubaus

Tabelle 1

 

Viele der Kriterien die in Tabelle 1 erwähnt werden sind in unseren Bienenbehausungen erfüllt. Punkt 1 jedoch ist in den seltensten Fällen erfüllt. Das Bienenvolk wohnt gerne in luftiger Höhe, weil es sich dabei sicherer fühlt. Vor wem? Vor den Bären? Vor dem Menschen? Wenn das Bienenvolk selbst wählen kann, dann schützt es sich vor jeder Art von Zugriffen. Es entzieht sich gerne dem Bewegungsraum der Vier- und Zweibeiner. Das heisst, dass die Arbeit am Volk, das Öffnen des Kastens vom Bienenvolk nicht geschätzt wird. Das ist keine neue Erkenntnis, wir wissen sehr wohl, dass das Bienenvolk gelegentlich unwirsch reagiert und versucht die Imkersleute mit dem Stachel zu vertreiben. Durch unsere Einschüchterung mit Rauch können wir dieses Verhalten etwas überdecken. Genaue Messungen haben ergeben, dass es bis zu einem Tag geht, bis das ganz fein regulierte Innenklima wieder aufgebaut ist. Bis die Wärme wieder stimmt, bis die Luftfeuchtigkeit wieder eingestellt ist. Auch die gutgemeinten imkerlichen Eingriffe sind für das Bienenvolk eine Belastung.

Wie wir mit dem Bienenvolk umgehen ist auch eine Folge dessen wie wir es anschauen. Wenn wir das Bienenvolk als eine Anhäufung von Bienen ansehen, die unter der Fuchtel einer Königin zusammenleben, dann kann doch eine Störung kein Problem sein.

Wenn wir jedoch das Bienenvolk als einen Organismus anschauen dann sieht alles anders aus. Dann sehen wir dass dieser Organismus Organe hat. Organe die durch eine gemeinschaftliche Arbeitsleistung gebildet werden. Diese Organe müssen durch eine hochentwickelte Kommunikation organisiert werden. Die Lebenseinheit wird dann das ganze Volk, die einzelnen Bienen sind dann nur ein Teil des Organismus Bienenvolk

Im Bezug auf einen Organismus haben wir selber Erfahrungen, denn wir haben auch einen Organismus. Wir können den Bezug zu unserem Organismus herstellen. Damit wird es möglich elementare Empfindungen eines Organismus nachzuvollziehen. Wie beispielsweise der Mangel, die Krankheit oder den Eingriff. Auch wenn ein Eingriff in unserm Körper wesentlich komplexer ist, als der Eingriff beim Bienenvolk, so hilft uns dieser Vergleich das Unangenehme eines Eingriffes nachzuvollziehen. Es ist eine Gesetzmässigkeit des Organismus, dass er Störungen zu vermeiden sucht. Ich selber habe nicht gerne, wenn mir jemand unerwünscht zu nahe tritt, und etwas vom schlimmsten ist es, wenn jemand in meinem Organismus eingreifen muss, wie beispielsweise im Spital.

Ob wir es aus der gedanklichen Ebene über die Versuche von Thomas Sealey oder aus der empfindungsmässigen Ebene herleiten, die Erkenntnis bleibt dieselbe: Das Bienenvolk möchte nicht gestört werden.

Imkerliche Anliegen

Was sind unsere Interessen? Was sind denn die imkerichen Anliegen? Es tönt recht banal, aber Bienenvölker sind wohl das wichtigste beim Imkern. Das Problemjahr 2002/03 hat das wieder einmal gezeigt, wie schnell es geht bis man keine Völker mehr hat. Das ist eine bittere Erfahrung.

Die Gesundheit der Bienenvölker ist ein nächster Wunsch. Denn Imkern ist schön, wenn wir gesunde, kräftige Bienenvölker pflegen können.

In dieser Hinsicht deckt sich das Anliegen der Imkerinnen und Imker mit denen des natürlichen Bienenvolkes. Da sind wir uns auch einig mit der Natur. Völker die zu schwach sind werden aufgelöst. Das ist eine negative Auslese, die Schwachen werden eliminiert, die verbleibenden sind starke Völker. In dieser Hinsicht ist es sogar sinnvoll der Natur zuvorzukommen, indem man schwache Völker wegräumt bevor die Natur sie erledigt. Dies ist ein hygienischer Akt, denn das Absterbenlassen des Bienenvolkes birgt immer die Risiken der Räuberei und der Verschleppung von Krankheiten und Parasiten.

Bienenvölker, die Honig bringenist ein weiteres imkerliches Anliegen, denn

eine unserer Aufgaben ist es Honig bereitzustellen. Honig dessen Rohstoffe von den Bienen aus der Landschaft gesammelt wird in der wir leben. Dieses wunderbare Bienenprodukt muss mit Bewußtsein um Qualität bereitgestellt wird. Damit es ohne jede Einbusse bei den Menschen ankommt. Der heutige Mensch ist dringend auf Lebensmittel und Heilmittel angewiesen, die diesen Namen verdienen. Da sitzen wir Imkersleut an einer Apotheke für Körper und Seele.

Die Frage beim Honig ist jedoch erlaubt, wer eigentlich diese wunderbaren heilkräftigen Bienenprodukte nötiger hat, der Mensch oder das Bienenvolk? Gesund sind sie beide nicht, beim Menschen sieht man dies am „Gesundheitssystem“, bei den Bienen am lebenserhaltenden Zwang zur Varroabehandlung.

Mit diesem Spagat der Interessen müssen wir leben. Bienen brauchen Honig, und wer glaubt für die Bienen sei Zuckerwasser ebenso gut, der soll einmal geschleudertes Zuckerwasser auf den Frühstückstisch stellen. Im Bewusstsein, dass sich Mensch und Bienen den Honig teilen müssen, können gerechte individuelle Lösungen gefunden werden.

Eine Bienenwohnung mit der gearbeitet werden kann ist ein weiteres imkerliches Anliegen. Wie wir gesehen haben bevorzugt das Bienenvolk eine versteckte Wohnung im Stabilbau. Da liegen die imkerlichen Interessen diametral gegenüber, denn bei dieser Bienenwohnung kann man kann sich kaum darüber informieren was im Innern vorgeht, eine Honigernte ist schwierig, wenn nicht unmöglich und eine Vermehrung nur über den nackten Schwarm möglich. Da hat die Erfindung des moblien Rähmchens erhebliche Vorteile gebracht. Der Mobilbau ist die Qualität die unsere moderne Imkerei seit etwas über  100 Jahren auszeichnet, diese wollen wir nicht missen.

Ausschwärmende Bienen
Auch wenn wir viel über das Bienenleben wissen, das überraschende und das Geheimnisvolle sind eine Grundfaszination bei der Auseinandersetzung mit den Bienen.

 

Mensch und Bienen

Damit sind wir bei der Zusammenfassung, die sowohl die imkerlichen Interessen der Arbeit mit dem Bienenvolk als auch die Ruhebedürfnisse des Bienenvolkes berücksichtigt. Für die imkerliche Praxis heisst dieser Kompromiss, dass wir versuchen, das Bienenvolk so wenig wie möglich zu öffnen. Dies müsste das Ziel der versierteren Imkersleute sein.

Für die Anfänger gilt dieses Ziel nur bedingt. Anfänger müssen viel nachschauen um die Beobachtung von aussen mit der Beobachtung innen zusammen zu bringen. Wenn Probleme entstehen muss man ihnen konsequent nachgehen. Für alle ist es wichtig sich jederzeit ein Bild über das Innenleben zu machen zu können, mit der übung kann man das auch mit minimalem öffnen. Indem man den Schwerpunkt auf die Aussenbeobachtung legt.

Alles was ohne öffnen des Volkes wahrgenommen wird ist Aussenbeobachtung.

Dazu gehört auch die Beobachtung mit den Sinnen.  Das Zuhören, das Riechen, die Fluglochbeobachtung, eigentlich ist auch der Bienenstich ein sinnliches Erlebnis. Diese Aussenbeobachtungen können ergänzt werden durch Unterlagenkontrolle, durch das Wägen des Volkes, wie auch den Blick durch Keil und Fenster oder den Magazinboden. Die Informationen aus der Aussenbeobachtung ergeben ein Bild über die Situation in der der Bienenstand steht oder auch Auskunft über einzelne Völker. Aus diesen Beobachtungen heraus lassen sich die Eingriffe gut vorbereiten und auf ein Minimum beschränken.

Ein Spezialzweig der Aussenbeobachtung ist das Miterleben von Bewegungen um das Bienenvolk.Von unserem Denken her neigen wir dazu Merkmale zu erfassen, sozusagen Momentaufnahmen. Wenn wir es mit dem lebendigen Bienenvolk zutun haben, dann ist jedoch alles in Bewegung und in Veränderung. Diese Bewegungen zu erfassen sind eine interessante Herausforderung. Dazu zwei Beispiele: 1. Im Frühling explodieren die Bienenvölker in ihrer Entwicklung, ab dem Sommer schrumpfen sie. Diese Bewegung des Ausdehnens und insbesondere des Zusammenziehens als eine Bewegung wahrzunehmen und zu verfolgen ist spannend. 2. Wenn wir am Flugloch beurteilen wollen ob Bienen schwer beladen oder leicht einfliegen, dazu haben wir unsere Merkpunkte, wie die Verteilung des Anfluges auf der Flugfront bei einer Waldtracht. Wenn wir jedoch die Landebewegung der Bienen mitvollziehen, dann können wir aus der Art der Bewegung auf die Last zurückschliessen, die von den Bienen getragen werden. Um eine Bewegung zu erfassen muss sie wie mitvollzogen werden.

Zum Schluss möchte ich noch einmal kurz  auf diese Grundgedanken der Zuwendung kommen.

  • Aufmerksamkeit, eindenken, einfühlen und mit den Händen zupacken.
  • Diese Bewegung zwischen diesen Tätigkeiten kann es ermöglichen sich dem Bienenvolk anzunähren. Und daraus entsteht vielleicht doch einmal das Gefühl mit den Bienen im Gespräch zu sein

© martin detlli - www.summ-summ.ch