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Die Frage nach der ökologischen Bienen- zucht

Bienensterben - Bienenleben

Der Bienenbaum von Angenstein

Zum Gedenken an Hans Wille

Biene - Mensch

Die Frage nach der ökologischen Bienenzucht

Kurzfassung eines Vortrages
Am 26. März 08 war am Forschungsinstut für biologischen Landbau in Frick (CH) eine Biobienentagung. Ein Teil davon war dem Thema Vitalitätssteigerung bei Bienen gewidmet: Welche Wege führen zum Ziel? Als Referenten dazu waren der oberste Züchter der Schweiz Jakob Künzle und Martin Dettli, als Demeterimker, eingeladen. Der Auftrag an Martin Dettli war es die Zuchtbemühungen der biologischen Imkerei darzustellen.

Vorspann

Die erste Bemerkung diente dazu die Erwartungen zu dämpfen; denn die Zuchtbemühungen der Bioimkerei sind weder in Forschung noch in Konzepten festgelegt. Es ist sogar so, dass noch nicht einmal eine intensive Diskussion eingesetzt hat. Das folgende Referat wäre also lediglich als Anstoss aus persönlicher Sicht zu werten.

Einleitung

In meinem Studium habe ich gelernt, wie man heute das Rind züchtet. Von der Zuchtwertschätzung bis zur gezielten Paarung hin. Dazu gehört ein Zuchtbuch mit einer enormen Datenfülle. In der Folge braucht es auch Geschwisterprüfungen und Nachkommensprüfung zur Absicherung. Das hat mich überzeugt. So kann man einen Weg finden.

Ich habe mich schon damals mit dem Bienenvolk befasst und es hat mich gestört, dass man ein ähnliches Instrumentarium für das Bienenvolk nicht zur Verfügung hat. Da liesse sich doch so manches erreichen.
In den 90iger Jahren konnte man die die Entwicklung eines moderneren Zuchtkonzept im VDRB verfolgen und es war klar, dass diese Ideen hineinkommen. Noch viel drastischer kann man dies in Deutschland verfolgen. KB , Datenmenge, Inselbelegstelle. Und ich verspüre keinerlei Faszination. Was ist denn passiert? Was hat denn geändert?

Rind

Bienenvolk

Wiederkäuer, Entwicklung vor  25 Mio Jahren, unendliche Familienvielfalt von Reh, Steinbock, Rind bis zur Ziege

Wildtier, in der heutigen Erscheinung keine Verwandten.Entwicklungszeit 50 Mio. Jahren

Domestikation von Rind, Schaf, Geiss vor etwa 10’00 Jahren

Keine Domestikation

Seit 3500-1000 wird das Bienenvolk bewirtschaftet, das allein ist nach  meinem Begriff keine Domestikation

Enorme Entwicklungsmöglichkeiten

Ausgereiftes, altes Prinzip

Erblichkeit in verschiedenen Bereichen hoch

Erblichkeit in entscheidenden Fragen gering.

Gesundheitsfragen, Vitalität, Honigleistung

 

Das Bienenvolk braucht keine züchterische Veränderung, Vitalität und Gesundheitsfaktoren sind von Alters her über Jahrmillionen ausgereift. Die Herausforderung liegt im Umgang mit den uralten Fähigkeiten dieses Tieres.

Was sind diese Fähigkeiten?
  • Anpassungsfähigkeit
    • Wohnraum, Lebensraum, Umweltentwicklung
  • Flexibles Verhalten
    • Überlebensstrategie durch Vielfalt
  • Kommunikation, Austausch
    • Innerhalb eines Tieres, (unter den Einzelbienen)
    • Horizontal (unter den Bienenvölkern)
    • Vertikal (über Generationen)

 

Als Beispiel für diese Fähigkeiten möchte ich die Gotlandversuche heranziehen. 150 Bienenvölker ohne Varroabehandlung:

  1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
Anzahl Einwinterung 150 146 120 21 8 11 13

 

 

Die Völker zeigen

1.Vielfalt im Verhalten
Nach Hans Wille ist das die Überlebensstrategie des Bienenvolkes. Unabhängig von Zucht und Herkunft versuchen die Bienenvölker den Launen der Natur ein vielfältiges Verhalten gegenüber zu stellen. Ziel dieser Vielfalt ist es, immer ein paar Bienenvölkern das Überleben zu ermöglichen.

2. Die Fähigkeit des vertikalen Informationsflusses, des Informationsflusses über Generationen.
Nach dem Zusammenbruch haben die Völker offensichtlich etwas gelernt. Wie das vor sich geht wissen wir nicht. Doch offensichtlich kommt bei einer natürlichen Vermehrung mehr mit als nur die genetische Information.
Die genetische Information hat man nachgeprüft, indem man Königinnen aus Gotlandvölkern gezüchtet hat. Sie waren nicht varroaresistenter.
Die Wissen über das Verhalten, dass zum Überleben beiträgt, ist offensichtlich in den Völker drin, auf einer informellen Ebene. Wie anders ist es denn zu erklären, dass es in den letzen Jahren zu einer Volkszunahme gekommen bei konstanten Jahresverlusten von 20-25%.

Zur Praxis im eigenen Imkereibetrieb

Die Vielfalt im Verhalten ist etwas, was als Grundeigenschaft des Bienenvolkes in meinem Betrieb beachtet wird. Vielfalt zu akzeptieren heisst, dass Bienenvölker nicht einfach einem gedanklichen Schema entsprechen müssen.
Es heisst aber auch umgekehrt, dass ausgelesen werden muss. Vielfalt heisst auch, dass lebensuntaugliche Varianten entstehen und Bienenvölker, welche ein Gesundheitsrisiko mitbringen. Deshalb ist die Auslese enorm wichtig. Bienenvölker müssen zu jeder Zeit im Jahr ausgelesen werden. Am einfachsten ist dies, wenn die Mängel möglichst früh erkannt werden, beim Jungvolk oder vor dem ersten Aufsetzten. Das verlangt aber genauestes Beobachten. Ich denke in dieser Hinsicht sind sich alle Züchter einig.
Die Auslese setzt voraus, dass viele Völker vermehrt werden. Daran Anschliessend steht die negative Auslese, sie steht im Zentrum meiner züchterischen Bemühungen.

2. Die Fähigkeit des vertikalen Informationsflusses, des Informationsflusses über Generationen.
Nach dem Zusammenbruch haben die Völker offensichtlich etwas gelernt. Wie das vor sich geht wissen wir nicht. Doch offensichtlich kommt bei einer natürlichen Vermehrung mehr mit als nur die genetische Information.
Die genetische Information hat man nachgeprüft, indem man Königinnen aus Gotlandvölkern gezüchtet hat. Sie waren nicht varroaresistenter.
Die Wissen über das Verhalten, dass zum Überleben beiträgt, ist offensichtlich in den Völker drin, auf einer informellen Ebene. Wie anders ist es denn zu erklären, dass es in den letzen Jahren zu einer Volkszunahme gekommen bei konstanten Jahresverlusten von 20-25%.

Kurz:

  1. Viele Völker vermehren
  2. Genaue Beobachtung des Lebens ( nicht nach Schema)
  3. Konsequente Auslese von Völkern, welche Lebensschwächen zeigen.
  4. Völker müssen keiner Norm entsprechen

Der vertikale Informationsfluss ist ein weiterer Schwerpunkt meiner züchterischen Bemühungen. Es ist mir wichtig, dass die Bienenvölker ganz aus dem Muttervolk heraus entstehen. Ich vermehre mit dem Schwarmtrieb, der natürlichen Fortpflanzung des Bienenvolkes. Mit meinen 70- 80 Völkern kann ich aber nicht den Schwärmen nachspringen. Die Vermehrung muss deshalb im Rahmen der wöchentlichen bis 10 tätigen Kontrolle erfolgen. Wenn Schwarmtrieb vorhanden ist, dann wird als erstes nur die Königin entnommen, diese wird je nach Situation und Bezug zu diesem Volk abgedrückt oder in einem Kleinkunstscharm weitergeführt. Die jungen Königinnen sollen so lang wie möglich im Mutterbauch des Vollvolkes entwickelt werden. Bei der nächsten Kontrolltour werden dann die Ablergerkästen mitgenommen und das Volk wird in 6 Einheiten zerlegt. Dabei werden in der Regel nur volkseigene Königinnen und Bienen verwendet. Die Jungvölker können nach der Standbegattung auf dem Ablegerstand zeigen was sie können, sie werden nicht verstärkt.

Es gibt aber auch Völker von denen ich nicht nachziehen will, das ist etwa ein Drittel des Bestandes. Die Gründe können sein: Stechlust, die Tendenz zu Kalkbrut, Schwarmansatz unzeitgemäss. Die unerwünschten Völker können mit überschüssigen Königinnenzellen von andern Völkern versorgt werden, oder allenfalls ohne Aufteilung weitergeführt werden.
Völker bei denen ich bemerke, dass da etwas anders ist als bei anderen Völker, merke ich mir vor. Marotten und Eigenheiten wachsen mir ans Herz. Und diesen Völkern sowie deren, Jungvölkern schenke ich besondere Beachtung. Taucht diese Eigenschaft wieder auf?

Meine Überzeugung

Durch die Reibung von Umwelt und Bienenvolk entsteht Kreativität. Das Bienenvolk entwickelt neue Eigenheiten aus der Auseinandersetzung mit meiner Umgebung, mit meiner Betreibsweise und mit meiner Art mit ihnen umzugehen. Man kann dies Anpassung nennen. Aber eigentlich geht es um die eine Weiterentwicklung. Die Völker entwickeln neue Lebensstrategien.

Ich muss dabei nochmals Gotland zitieren. Das kann man sich nicht genug anschauen. Die Völker werden in eine Notlage gebracht. Ohne Varroabehandlung überlebt kein Volk hätte wohl fast jeder hier unterschrieben. Die Völker haben in Anpassung an die nordischen Umweltverhältnisse einen neuen Umgang mit der Varroamilbe entwickelt, das ist ein kreativer Prozess der auch seinen Preis hatte, es gingen 95% der Völker verloren.

Ich habe übrigens in meinen Forschungen beobachten können auf welchem Verhalten eine solche Anpassung beruhen kann. Ich habe das auch aufgeschrieben im Forschungsbericht „Überleben“ (2008). Ich will nur soviel verraten, es gibt nicht einfach ein Patentlösungstrick, auf den so viele Bienenfreunde noch immer hoffen.

Vitalität

Vitalität ist ein Phänomen auf der Lebensebene, deshalb kann man sie nicht messen. Alle Bemühungen Parameter auf der physischen Ebene zu finden, die sich in ein Zuchtbuch eintragen lassen, können immer nur Ersatz sein für die Lebensebene. Daten sind etwas, was aus dieser Lebensebene herausgefallen ist. Meine Vision ist diese Lebensebene, mit der wir immer zu tun haben und von der wir ein Teil sind, besser beobachten zu lernen.

 

Physische Ebene Lebenseben
Physische Energie Lebensenergie
? Vitalität
Messbar Nicht messbar
Tod Leben
Steine, elementare Kräfte wie Feuer, Wasser Pflanzen, auch Tiere und Mensch

 

Abschlusszitat: von Hans Wille: "Beobachten, beobachten, beobachten"

© martin detlli - www.summ-summ.ch

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